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Montagssänger

www.milseburghuette.com

Milseburghütte des Rhönklub-Hauptvorstandes

Aktuell / Hinweise:

Öffnungszeiten: Täglich ab 11:00 Uhr, Donnerstag (außer Feiertags ) ist Ruhetag. Beachten Sie auch die Hinweise im Bereich Kalender.

Die Montagssänger

Die Montagssänger treffen sich jeden Montag, auch während der Winterzeit, jeweils Montags ab 13:00 Uhr in der Hütte.

montagssänger

Nun Brüder, eine gute Nacht, der Herr im hohen Himmel wacht, in seiner Güten uns zu behüten, ist er bedacht“, klingt die letzte Strophe von „Kein schöner Land“ von vielen Kehlen gesungen aus der geöffneten Schiebetür der Milseburghütte hinaus zum basaltenen Gipfel in 835 Meter Höhe. Es ist Montag um 16 Uhr. Die Sänger schließen ihre Liederbücher. Gründungsmitglied Martin Haas sammelt die Heftchen ein. Es ist fast ein Ritual, wenn sie in einem Holzkistchen weggeschlossen werden.
Gregor Dehler aus Kleinsassen und Otto Weißheimer aus Hammelburg stellen die Gitarren, Ludwig Beck aus Hofbieber das Akkordeon beiseite. So pünktlich, wie die Montagssänger der Milseburg um 13:30 Uhr mit ihrem Liederreigen beginnen, so diszipliniert endet der Hörgenuss exakt zwei Stunden später. „Seit 23 Jahren treffen wir uns hier jeden Montag, im Winter schon eine halbe Stunde eher, um beim Abstieg nicht in die Dunkelheit zu kommen“, erzählt der ehemalige Krankenhaus-Pfarrer Otto Weißheimer. Martin Haas aus Eichenzell hat seinem Sangesbruder aus Unterfranken mit dem Erzählen des Sängertreffens auf der Milseburg beauftragt. Dem 83-Jährigen Haas steht nicht der Sinn nach Mediengesprächen. Er hat auch schlichtweg keine Zeit, denn an einem der runden Tische in dem kleinen Hüttchen warten schon seine Skatfreunde auf ihn, den dritten Mann.
Bis auf den letzten Platz ist der Raum gefüllt, in dem Wirt Ernst Bleuel damit beschäftigt ist, den trockenen Kehlen Flüssigkeit zukommen zu lassen. Etwa 40 bis 50 Sänger bevölkern das etwa 30 Quadratmeter große Zimmer, Männer und Frauen, die der Spaß am Singen von Heimat-, Volks- und Wanderliedern eint.
Vor der Hütte sitzen nicht zur Stammbesetzung gehörende Milseburgbesucher, die eher zufällig hier hoch kamen, die aber auch mit Liedtexten versorgt wurden.
„Viele Urlauber wissen aber um unser Treffen und kommen am Montag gerne hier hoch“, sagt der 71-jährige Weißheimer. Der Pfarrer im Ruhestand aus Unterfranken lobt den ganz freien, ungezwungenen Zusammenschluss. „Das ist rein auf die Milseburg bezogen, so etwas kann ich mir nirgends woanders vorstellen
. Selbst im Winter bei widrigsten Verhältnissen ziehen wir hinauf, trotzen den glatten Wegen und dem Eisschlag von den Bäumen“, erzählt der Geistliche nicht ohne Stolz. Wegen seiner treuen Gästeschar kommt auch Hüttenwirt Bleuel im Winter montags „hoch“, auch wenn die Hütte zu dieser Jahreszeit normalerweise wochentags geschlossen bleibt. „Ohne den Ernst wäre das nicht zu machen. Er ist schon so etwas wie unser Leitwolf“, macht Weißheimer dem Milseburg-Original ein Kompliment.
Ähnlich Gregor Dehler, den man getrost als „zum Hütteninventar gehörig“ bezeichnen darf, hat sich auch Weißheimer offensichtlich in das Schutzhüttchen verguckt. „Wenn ich nicht Gitarre spiele oder mitsinge, dann helfe ich in der Küche beim Brote schmieren oder mache Spüldienst“, umreißt der Hammelburger seine Aufgabenfelder.
„Kreuzberg-, Rennsteig-, Milseburglied“, sprudelt es aus ihm heraus, wird er nach den beliebtesten Melodien befragt. Nachdenklicher wird der 71-Jährige, als er die Gründe für seinen montäglichen Aufstieg nennt. Weißheimer: „Während meiner 22-jährigen Tätigkeit als Klinikpfarrer habe ich in Würzburg fünf Intensivstationen betreut. Die Frage nach dem Warum eines plötzlichen Todes konnte ich nie beantworten. Schon die Wanderung hier hoch hat mir gut getan. Das Zusammentreffen mit den anderen wurde mir zum Lebenselixier, vielleicht auch deshalb, weil ich den Frust mal rausplärren konnte.“ Belastendes lasse man halt im Tal.
„Sonne leuchte mir ins Herz hinein/Wind verweh‘ mir Sorgen und Beschwerden/ Größere Wonnen weiß ich nicht auf Erden/ Als in Weiten unterwegs zu sein.“ So steht es in dem kleinen Gastraum über dem Tresen. Die Montagssänger brauchen den Spruch nicht zu lesen, sie haben ihn längst für sich verinnerlicht.

 

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